
Lange ist es her, dass Regisseur Tom Tykwer einen deutschen Film gedreht hat.
Kein Wunder, nach Lola rennt waren die Erwartungen auch hochgesteckt.
Und Tom Tykwer erfüllt diese mit Drei - zumindest filmisch.
Nach langer Zeit waren der Liebste und ich auch mal wieder im Kino.
Fazit danach von ihm: Anspruchsvoll.
Ja, filmisch gesehen ist der Neue von Tom Tykwer anspruchsvoll.
Und auch inhaltlich ist es kein Otto-Normal-Verbraucher-Film.
Wie nicht anders zu erwarten, spielt Tykwer mit besonderen Kamerakniffen -
und verleiht dem Film in bestimmten Sequenzen eine ganz besondere Bildästhetik.
Auch die einzelnen Schauspieler und ihre Rolle werden so in Szene gesetzt -
und der Zuschauer kann Tykwers Dreiecksgeschichte gut folgen.
Kurz erzählt ist der Inhalt: Hanna und Simon leben seit 20 Jahren in einer Beziehung.
Die Leidenschaft ist eingeschlafen, der Alltag läuft.
Die Liebe zueinander oder vielleicht auch nur die Gewöhnung hält die beiden aneinander.
Und dann passiert das Unvermeidliche:
Hanna sowie Simon lernen jemand neuen kennen. Adam.
Und wie es der Zufall will, beginnen beide mit dem blonden Einzelgänger eine Affäre.
Moderne Beziehungsgeschichte nennt es Tom Tykwer. Ich nenne es: furchtbar.
So gut, wie die Schauspieler spielen -
und so schön die Ästhetisierung des Bildes hier eingesetzt wird,
kann es doch nicht über den Inhalt hinwegtäuschen.
Und der hat eine für mich nicht akzeptable Aussage:
Wenn es dir langweilig wird in deiner langjährigen Beziehung such dir was neues -
und somit kommt ein anderer Wind wieder in das Alte. Und am Ende wird alles gut.
Nein.
Mein romantisches und naiv an die lange Liebe glaubendes Herz kann das nicht akzeptieren.
Für mich zählen immer noch Kommunikation und Ehrlichkeit in einer Beziehung.
(Hanna und Simon reden irgendwann gar nicht mehr, sie leben aneinander vorbei).
Genauso wie ich Interesse am Partner auch nach vielen Jahren haben will.
Und vielleicht Sorge tragen muss für Abwechslung und Spannung in einer Beziehung.
Aber nur um meiner Existenzwillen eine schlecht laufende Beziehung zu halten,
weil es die Gewöhnung so will, und die Spannung woanders zu suchen?
Das kann ich nicht mit mir vereinbaren. Tom Tykwer scheinbar schon.
Jaja, es ist nur eine Geschichte. Aber trotzdem.
Ich appelliere an die Liebe -
und auch an das Kämpfen und das Sprechen miteinander in Zeiten des Schweigens.
Fazit: Der Film ist anders - und auch filmisch gut umgesetzt. Die Schauspieler sind gut.
Und trotzdem: Modern ist nicht immer gut - inhaltlich gesehen.